KI-Modell-Zoo — Open-Weight-Modelle für lokale Inferenz
Die wichtigsten Open-Weight-Modelle im September 2026. Welches Modell zu welchem Einsatzzweck passt, welche Hardware dahintersteht und welche Lizenz gilt. Die Angaben sind gegen die Modellkarten der Anbieter und die Ollama-Bibliothek geprüft.
Modelle via Ollama pullen
# Allzweck mit Bildverstaendnis, Apache-2.0 - laeuft mit rund 18 GB im Q4
ollama pull qwen3.8:27b
# Kleines Modell fuer schwache Hardware, Apache-2.0
ollama pull gemma4:12b
# Europaeische Alternative aus Paris, Apache-2.0
ollama pull mistral-small:24b
# Reasoning und Mathematik, MIT-Lizenz
ollama pull deepseek-r1:32b
# OpenAIs Open-Weight-Modell, Apache-2.0
ollama pull gpt-oss:20b
Jedes gelistete Modell ist mit einem Befehl verfügbar. Die Größen-Variante hinter dem Doppelpunkt passt das Modell an die vorhandene Hardware an. Alle Namen am 11.09.2026 gegen ollama.com/library geprüft.
Sieben Modelle im Vergleich
Jedes Modell hat eigene Stärken — Größe, Lizenz, Kontextlänge, Einsatzzweck. Hier die kompakte Übersicht, klickbar auf die offizielle Modellseite des Anbieters. Neuere Familien wie GLM 5.3, DeepSeek V4.1 oder MiniCPM5 gibt es auf Hugging Face bereits, in der Ollama-Bibliothek am 11.09.2026 aber noch nicht — deshalb stehen sie hier nicht.
Llama 4
Meta
Mixture-of-Experts
Meta-Flaggschiff
Llama 4 kommt als Mixture-of-Experts: Scout mit 16 Experten, Maverick mit 128, jeweils 17 Milliarden aktive Parameter. Meta hat seit April 2025 keine neue Generation veröffentlicht. Die Llama-Lizenz erlaubt kommerzielle Nutzung mit Auflagen.
Mistral Small 3 mit 24 Milliarden Parametern ist die praktikable Größe für eine einzelne Grafikkarte. Darüber stehen Mistral Small 4 und Mistral Large 3 für Serverhardware. Alles Apache-2.0, Anbieter sitzt in Paris.
Qwen 3.8 mit 27,3 Milliarden Parametern versteht auch Bilder und fasst rund 262.000 Bausteine Kontext. Apache-2.0 und damit für den unproblematisch. Ausgezeichnete Deutsch-Qualität — dieses Modell läuft auch bei uns im Alltag.
4 reicht von den winzigen E2B- und E4B-Varianten bis 31 Milliarden Parameter, dazu eine Mixture-of-Experts-Fassung mit 26 Milliarden. Wichtigste Änderung gegenüber 3: Die eigene Gemma-Lizenz ist weg, 4 steht unter Apache-2.0.
DeepSeek R1 setzt weiterhin Maßstäbe bei logischem Schließen und Mathematik. Die volle Fassung mit 671 Milliarden Parametern braucht Serverhardware, die Distill-Varianten mit 32 und 70 Milliarden laufen auf Mittelstands-Hardware. MIT-Lizenz.
Phi 4 mit nur 14B Parametern zeigt: gut kuratierte Trainingsdaten schlagen schiere Größe. Sehr gute Performance auf einer RTX 4090. MIT-Lizenz, kommerziell uneingeschränkt nutzbar.
Im August 2025 veröffentlichte OpenAI gpt-oss in zwei Größen (20B und 120B) unter Apache-2.0. Aus Sicht der Modell-Qualität deutlich besser als ältere OSS-Modelle, mit voller kommerzieller Freigabe.
Ein Open-Weight-Modell ist ein , dessen trainierte Gewichte (die Parameter-Datei) öffentlich verfügbar sind — typisch als Download auf HuggingFace, auf der Anbieter-Webseite oder über . Das unterscheidet sie von ChatGPT, Claude oder Gemini Pro, deren Gewichte nicht herausgegeben werden und die ausschließlich über APIs zugreifbar sind.
Wichtig: „Open Weight" ist nicht dasselbe wie „Open Source". Die Lizenzen schwanken stark — von echtem MIT oder Apache-2.0 (Qwen, 4, Mistral, Phi, DeepSeek, gpt-oss) bis zu eigenen Anbieterlizenzen mit Auflagen (Llama). Wer kommerziell einsetzt, liest die Lizenz vor dem Download, nicht danach.
Welches Modell wofür?
Empfehlungen aus eigener Praxis bei Mandanten, Stand September 2026. Nicht „das beste Modell" — es gibt kein bestes. Sondern: Für diesen Zweck passt dieses Modell am pragmatischsten.
Allzweck im Mittelstand (Texte, Übersetzungen, Q&A)
Qwen 3.8 27B ist der Standard geworden — Apache-2.0, sehr gutes Deutsch, versteht zusätzlich Bilder, braucht rund 18 GB im Q4. Gemma 4 31B als Alternative, wenn ein Google-Modell gewünscht ist.
Programmierung & Code-Vervollständigung
Qwen3 Coder Next mit 79,7 Milliarden Parametern für ernsthafte Arbeit an einer Codebasis — rund 49 GB im Q4, also Werkstattrechner statt Notebook. Wo der Platz fehlt, macht Qwen 3.8 27B die Arbeit ebenfalls ordentlich.
Reasoning, Logik, Mathematik
DeepSeek R1 bleibt vorn bei logischem Schließen. Die Distill-Varianten mit 32 und 70 Milliarden Parametern bringen einen großen Teil davon auf Hardware, die ein Mittelständler tatsächlich kauft.
Klein und schnell (Edge, Mobile, Embedded)
Gemma 4 in den Varianten E2B, E4B und 12B, alternativ Phi 4 14B. Alle laufen auf einer einzelnen Consumer-Grafikkarte oder auf einem kräftigen Prozessor — für eingebettete KI-Funktionen in eigenen Anwendungen.
Multilingual mit DSGVO-Bonus
Qwen 3.8 für Mehrsprachigkeit samt Apache-2.0-Lizenz. Mistral Small 3 24B als europäische Alternative — Mistral AI sitzt in Paris, die Gewichte liegen ebenfalls unter Apache-2.0.
Wenn niemand mehr OpenAI-Cloud darf
gpt-oss in 20B oder 120B, Apache-2.0. OpenAI hat seit August 2025 kein neueres Open-Weight-Modell nachgelegt — für Branchen, die ChatGPT-Qualität wollen, aber nicht in die OpenAI-Cloud dürfen, ist es weiterhin die naheliegende Wahl.
Was haben alle Open-Weight-Modelle gemeinsam?
Sechs Eigenschaften, die diese sieben Modelle zu einer eigenen Klasse machen — und sie von Cloud-Frontier-Modellen unterscheiden.
Lokale Inferenz
Modell läuft auf eigener Hardware (Mac, Workstation, Server). Keine Anfrage verlässt das Netzwerk. Pflicht bei Branchen mit Verschwiegenheits- oder DSGVO-Auflagen — Anwälte, Ärzte, Steuerberater, Ingenieure mit IP-Schutz.
Quantisierung verfügbar
Pro Modell stehen Quantisierungen (Q4_K_M, Q5_K_M, Q8_0) bereit, die RAM/VRAM-Bedarf um Faktor 2–4 reduzieren — mit gerade noch akzeptablem Qualitätsverlust. Q4_K_M ist Standard für Self-Hosting.
OpenAI-API-kompatibel
Über , vLLM oder llama.cpp werden alle diese Modelle hinter einer OpenAI-kompatiblen ausgeliefert. Bestehende OpenAI-Client-Bibliotheken (Python-SDK, n8n-Nodes) funktionieren ohne Code-Änderung.
Multi-Modal optional
Die meisten aktuellen Modelle nehmen Bilder entgegen — Qwen 3.8 und 4 von Haus aus. Anwendung: gescannte Rechnungen auswerten, Bauteilfotos für Reklamationen beurteilen, Formulare erfassen.
Fine-Tuning möglich
Mit eigenen Daten (Glossar, Stilrichtlinien, Domain-Wissen) lassen sich die Modelle nachtrainieren — meist via LoRA/QLoRA für moderate Hardware-Anforderungen. Domänen-spezifische Stärken ohne komplettes Pre-Training.
Kein Vendor-Lock-in
Modellwechsel ohne Codeänderung: Ollama-Tag austauschen, der OpenAI-kompatible Endpunkt bleibt gleich. Wer heute 4 nutzt, wechselt morgen auf Qwen 3.8 — innerhalb von Minuten. Genau diesen Wechsel haben wir selbst hinter uns.
OpenAI-kompatibler API-Call gegen ein lokales Modell
# Modell auswählen (variable)
MODEL="qwen3.8:27b"
# Alternative: gemma4:12b · mistral-small:24b · deepseek-r1:32b · gpt-oss:20b
# OpenAI-kompatibler Chat-Completion-Call
curl http://localhost:11434/v1/chat/completions \
-H "Content-Type: application/json" \
-d '{
"model": "'$MODEL'",
"messages": [
{"role": "system", "content": "Du bist eine pragmatische KI-Beraterin für KMU."},
{"role": "user", "content": "Welches Modell empfiehlst du für eine 8-Personen-Anwaltskanzlei mit RTX 4090?"}
],
"temperature": 0.2
}'
# Die gleiche Anfrage funktioniert auch mit dem OpenAI Python-SDK,
# einfach OPENAI_API_BASE auf http://localhost:11434/v1 setzen.
Ein einziger curl-Aufruf gegen die lokale Ollama-API. Modell-Name als Variable — austauschbar zwischen allen sieben Modellen. Quelle: Eigene Praxis.
Cloud-Alternativen ehrlich verglichen
Wenn Open-Weight nicht reicht — was sonst?
Drei Cloud-Frontier-Modelle, die in absoluter Qualität oft noch vorne sind. Trade-off: Datenfluss und Per-Token-Kosten gegen Top-Qualität.
Frontier Cloud (USA)
ChatGPT (GPT-5)
OpenAI
+ Bester Allzweck-Frontier-Anbieter
+ Tools, Function-Calling, Vision sehr ausgereift
− US-Cloud, kein Self-Hosting
− Datenfluss auch mit Enterprise-AVV
Frontier Cloud (USA/EU)
Claude (Anthropic)
Anthropic
+ Sehr stark bei langen Texten
+ EU-Endpunkte verfügbar
− Ebenfalls keine Self-Hosting-Option
− Per-Token-Kosten schnell hoch bei Volumen
Frontier Cloud (USA)
Gemini Pro
Google
+ Sehr lange Kontext-Fenster (1M+ Token)
+ Multi-Modal stark
− Google-Cloud, US-Datenort
− Datenpolitik weniger transparent als OpenAI/Anthropic
Faustregel: Wer DSGVO-Pflichten hat oder IP schützt — Open-Weight lokal. Wer maximale Qualität bei unkritischen Inhalten will — Cloud-Frontier. Wer beides braucht — Multi-Routing in (sensible Inhalte lokal, allgemeine Recherche Cloud).
Pricing
Hardware-Investition vs. Per-Token-Kosten.
Lizenz
Mix aus Apache-2.0 (Mistral, Qwen, Phi, GPT-oss), MIT (DeepSeek), Custom Community Licenses (Llama, Gemma). Für KMU-Eigenbetrieb in fast allen Konstellationen unproblematisch — pro Modell auf Modell-Karte verifizieren.
Hardware-Kosten
Mid-Range (für Modelle bis 32B): RTX 4090 24GB + 32GB RAM Workstation, ca. 3.000 €. Premium (für 70B+): Apple Mac Studio M4 Ultra 192 GB ab 8.000 € oder NVIDIA-Server mit RTX 5090. Strom: 150–300 W bei Inferenz, idle <50 W.
vs. Cloud-API
Cloud-Kosten skalieren linear mit Volumen. Bei 1.000 Token/Tag pro 10 Mitarbeitenden: GPT-5 ca. 60 €/Monat, Claude Sonnet ähnlich. Self-Hosted: Hardware-Amortisation in 12–18 Monaten. Ab 50+ Mitarbeitenden klar günstiger.
Wichtig: Quantisierungs-Qualität ist nicht linear. Q4_K_M ist Standard und 'gut genug' für 95 % der . Q5/Q6 für höhere Ansprüche. Volle FP16 nur bei Forschung. Wer mit weniger VRAM auskommt, sollte zuerst Quantisierung prüfen, bevor ein kleineres Modell gewählt wird.
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