KI-Compliance & AI Act
Risikoklassen einschätzen, Dokumentationspflichten erfüllen, compliant bleiben — pragmatisch statt bürokratisch.
Der ist seit 2024 in Kraft. Seit Februar 2025 gelten die ersten Verbote, ab August 2026 die Pflichten für Hochrisiko-Systeme. Wer einsetzt oder entwickelt, muss seine Systeme einordnen können — und wissen, welche Pflichten daraus konkret folgen.
ist dabei mehr als nur : bleibt parallel anwendbar, branchenspezifische Vorschriften (BaFin/, , Heilberufe) kommen oben drauf, Urheberrechts- und Haftungsfragen ebenfalls. Wer das in getrennten Abteilungen behandelt, baut sich Doppelarbeit und Lücken zugleich.
Ziel ist nicht ein 200-Seiten-Compliance-Handbuch, das niemand liest. Ziel ist ein pragmatisches Framework, das in bestehende Prozesse eingebaut wird — Templates, Checklisten, klar zugeordnete Verantwortlichkeiten und ein Risikoregister, das man tatsächlich pflegt.
Bestandsaufnahme
KI-Inventur inkl. , Datenflü, Verantwortlichkeiten — als KI-VVZ.
Risikoklassifizierung
Verboten, Hochrisiko, Begrenzt, Minimal — pro System mit Begründung dokumentiert.
Gap-Analyse
+ + Branche zusammendenken. Lücken-Liste mit Aufwand und Priorität.
Compliance-Framework
Policy, Onboarding-Checkliste, Templates, Rollen, Audit-Trail — pragmatisch eingebaut.
Schulung & Pflege
Mitarbeiter-Sensibilisierung, Update-Disziplin, halbjährliche Selbstprüfung, Vorfall-Prozess.
Bestandsaufnahme
KI-Inventur inkl. , Datenflü, Verantwortlichkeiten — als KI-VVZ.
Risikoklassifizierung
Verboten, Hochrisiko, Begrenzt, Minimal — pro System mit Begründung dokumentiert.
Gap-Analyse
+ + Branche zusammendenken. Lücken-Liste mit Aufwand und Priorität.
Compliance-Framework
Policy, Onboarding-Checkliste, Templates, Rollen, Audit-Trail — pragmatisch eingebaut.
Schulung & Pflege
Mitarbeiter-Sensibilisierung, Update-Disziplin, halbjährliche Selbstprüfung, Vorfall-Prozess.
Vom AI-Act-Status-quo zum pragmatischen Compliance-Framework
Risikoklassifizierung nach AI Act
VerbotenHochrisikoBegrenztMinimalDer AI Act arbeitet mit vier Risikoklassen. Je höher das Risiko, desto strenger die Pflichten — und desto teurer die Nicht-Compliance. Jedes System aus der Inventur wird einer Klasse zugeordnet.
Die vier Stufen:
- Verboten — Social Scoring, manipulative KI, Echtzeit-Gesichtserkennung im öffentlichen Raum (mit engen Ausnahmen), Emotionserkennung am Arbeitsplatz oder in Bildung. Diese Praktiken sind seit Februar 2025 untersagt — wer sie einsetzt, muss sie sofort einstellen.
- Hochrisiko — KI in Personalauswahl, Bonitätsprüfung, Bildungsentscheidungen, Strafverfolgung, Migrationskontrolle, kritischer Infrastruktur. Hier gelten die strengsten Pflichten: Konformitätsbewertung, technische Dokumentation, Risikomanagement, menschliche Aufsicht, Logging, hohe Datenqualität. Pflichten greifen ab August 2026.
- Begrenztes Risiko — Chatbots, Deepfakes, KI-generierte Inhalte. Pflicht: Transparenz. Nutzer müssen wissen, dass sie mit KI interagieren oder KI-erzeugten Content sehen.
- Minimales Risiko — alles andere (Spam-Filter, Empfehlungssysteme, KI-Autovervollständigung). Keine spezifischen Pflichten aus dem AI Act, aber DSGVO und andere Vorschriften gelten weiter.
Sonderfall: General Purpose AI (GPAI):
- Modelle wie GPT-4 oder Claude unterliegen eigenen Pflichten ab August 2025
- Hauptbetroffen sind Anbieter, nicht Nutzer — aber wer eigene Modelle finetuned und vertreibt, kann darunter fallen
Die Klassifizierung wird pro System dokumentiert, mit Begründung. Das ist keine Excel-Spielerei — bei einem Audit ist genau diese Begründung der erste Punkt, nach dem gefragt wird.
Gap-Analyse — was fehlt zur Compliance?
Aus Bestandsaufnahme und Klassifizierung ergibt sich pro System ein Pflichten-Set. Jetzt wird verglichen, was bereits vorhanden ist und was fehlt — die klassische Gap-Analyse, angewendet auf KI.
AI-Act-Anforderungen je Risikoklasse:
- Technische Dokumentation (was tut das System, mit welchen Daten trainiert, mit welchen Limits)
- Risikomanagement-System (laufend, nicht einmalig)
- Datengouvernance (Repräsentativität, Bias-Prüfung, Datenherkunft)
- Logging und Aufzeichnungspflichten (für Hochrisiko-Systeme)
- Menschliche Aufsicht (Human Oversight) mit klar definierten Eingriffspunkten
- Transparenz und Information der Betroffenen
- Cybersicherheit und Robustheit
DSGVO-Schnittmenge:
- Rechtsgrundlage für jede Verarbeitung — bei KI besonders spannend bei Trainingsdaten
- DPIA bei hohem Risiko, vor allem bei Profiling oder automatisierten Entscheidungen (Art. 22 DSGVO)
- AVV mit jedem externen KI-Dienstleister, der personenbezogene Daten verarbeitet
- TOM dokumentieren — Verschlüsselung, Zugriffskontrolle, Lösch-Konzept, Backups
- VVZ aktualisieren — KI-Verarbeitungen sauber eintragen
- Drittland-Transfer prüfen — Schrems II, Standardvertragsklauseln, ggf. Transfer Impact Assessment
Branchenspezifische Vorschriften:
- Banken & Finanzdienstleister — MaRisk, BAIT, BAIT-Modul Auslagerungen, MiFID II bei Anlageempfehlungen
- Heilberufe — Schweigepflicht (§ 203 StGB), Patientendatenschutz, MPG/MDR bei Medizinprodukten
- Anwaltskanzleien — Berufsgeheimnis, Mandantenschutz, BRAO
- KRITIS — erweiterte IT-Sicherheits- und Meldepflichten, Penetrationstests, Notfallpläne
Aus der Gegenüberstellung entsteht eine konkrete Lücken-Liste pro System: was fehlt (Doku, Prozess, technische Maßnahme), wer ist zuständig, bis wann muss es da sein, was kostet es. Keine pauschale „alles muss compliant sein“-Liste, sondern priorisiert nach Risiko und Aufwand.
Compliance-Framework — Templates, Rollen, Prozesse
PragmatischWiederverwendbarAus der Lücken-Liste wird ein Framework, das in bestehende Strukturen eingebaut wird — nicht ein Paralleluniversum aus Formularen. Compliance, die niemand nutzt, ist schlechter als keine Compliance.
Was im Framework steckt:
- KI-Policy — eine Seite, was Mitarbeitende dürfen und nicht dürfen (z. B. keine Kundendaten in Public ChatGPT, kein Code in fremde APIs ohne Freigabe)
- Onboarding-Checkliste für neue KI-Tools — Risikoklassifizierung, DPIA-Check, AVV-Frage, Datenfluss-Skizze, Freigabe-Workflow
- Templates — technische Doku, Risikobewertung, DPIA, AVV-Anhang für KI-Spezifika, Trainings-Datenherkunft
- Rollen und Zuständigkeiten — wer ist KI-Verantwortlicher? Wer entscheidet über Freigaben? Wer prüft technische Doku?
- Audit-Trail — wo werden Entscheidungen protokolliert? Wie lange werden Logs aufbewahrt?
- Eskalation und Vorfälle — was tun bei einem Datenleck, einem Bias-Vorfall, einer Beschwerde?
Self-Hosted als Compliance-Hebel — wo es passt:
- Für besonders sensible Daten lokale Modelle nutzen (z. B. Ollama mit Gemma) — kein Drittland-Transfer, kein Schrems-II-Risiko
- Self-Hosted-Stack für Kanzleien, Praxen, Behörden, KRITIS-Betreiber — qualitativ unter Frontier-Modellen, dafür auditierbar lokal
- Hybrid-Architektur: unkritische Aufgaben in der Cloud, sensible Routinen lokal — pragmatischer Mittelweg, der für die meisten KMU funktioniert
Das Framework wächst mit dem Unternehmen. Erstes KI-Tool: einseitige Policy + ein Eintrag im VVZ. Zehn Tools später: dasselbe Framework, nur erweitert. Die Templates und Prozesse bleiben gleich.
Schulung & laufende Pflege
MitarbeiterUpdatesAuditsCompliance ist kein Projekt, das man abschließt — sondern ein laufender Zustand. Sobald das Framework steht, geht es um Mitarbeiterschulung, Update-Disziplin und regelmäßige Überprüfung.
Schulung — auf zwei Ebenen:
- Allgemeine Sensibilisierung für alle Mitarbeitenden — was ist KI, was darf ich, was nicht, woran erkenne ich problematische Tools, wem melde ich Vorfälle?
- Vertiefte Schulung für Verantwortliche — Datenschutz-Beauftragte, KI-Beauftragte, IT-Verantwortliche. Risikoklassifizierung, DPIA, technische Anforderungen
Update-Disziplin:
- Wenn ein neues KI-Tool eingeführt wird, läuft es durch die Onboarding-Checkliste — keine Ausnahmen
- Bei größeren Modell-Updates (z. B. neuer Modell-Provider, neuer Trainingsdatensatz) wird die Risikobewertung aktualisiert
- Gesetzliche Updates (neue AI-Act-Leitlinien, BaFin-Mitteilungen) werden in das Framework eingearbeitet — vierteljährlicher Check
Regelmäßige Audits — intern und extern:
- Halbjährliche interne Selbstprüfung anhand der eigenen Checkliste — was hat sich geändert, was ist neu, wo gibt es Lücken?
- Externe Audits in regulierten Branchen (BaFin-Prüfung, ISO 27001, branchenspezifische Audits) frühzeitig vorbereiten — die Doku liegt bereit, statt im Audit-Stress zusammengeschrieben zu werden
- Penetrationstests für KI-Systeme mit externer Schnittstelle — Prompt Injection, Jailbreaking, Datenextraktion
Was bei Vorfällen passiert:
- Klar definierter Meldepfad innerhalb von 72 Stunden bei meldepflichtigen Datenpannen (Art. 33 DSGVO)
- Vorfall-Dokumentation, Ursachenanalyse, Korrekturmaßnahmen — wird im Audit geprüft
- Lessons Learned fließen ins Framework zurück
Mit dieser laufenden Pflege wird Compliance vom kostspieligen Risikofaktor zu einem Wettbewerbsvorteil — gerade bei B2B-Kunden, Versicherungen und Förderanträgen wird zunehmend nach belastbarer KI-Compliance gefragt.
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